Pfarreiengemeinschaft

Christkönig Saal • St. Oswald Teuerting

Jeder Tag ist ein Heute Gottes

„Wäre doch das Vertrauen des Herzens aller Dinge Anfang und jeder Tag ein Heute Gottes!“ Das ist ein Wort aus dem Taizé, der berühmten ökumenischen Gemeinschaft in Ostfrankreich. Als Student habe ich es in einem Predigtbuch von Rolf Zerfaß gelesen und seitdem begleitet es mich und ermutigt mich immer wieder neu.

Wenn ich Kindern einen Wunsch in ihre Freundschaftsbücher schreiben darf, wähle ich meistens diesen Satz. Sie verstehen vielleicht noch nicht ganz die Worte, aber sehr wohl ganz intuitiv die Sache. Kinder haben sich das „Vertrauen des Herzens“ schließlich noch mehr bewahrt als Erwachsene. Uns haben die Erfahrungen des Lebens gelehrt, dass eine gewisse Vorsicht und ein gesundes Misstrauen manchmal unerlässlich sind. Oft stehen wir uns mit all unseren Bedenken und Ängsten aber auch ganz furchtbar selbst im Weg – und sehnen uns zurück nach dem kindlichen Vertrauen, das uns Dinge einfach anpacken lässt, ohne uns „einen Kopf zu machen“. Wer wünscht sich das nicht: einen neuen Tag, eine Aufgabe, eine Therapie, eine Begegnung anzugehen ohne Zweifel oder allzu große Vorsicht, sondern schlicht im Vertrauen des Herzens! Christen nennen das dann ganz schlicht auch Gottvertrauen!

Das Wort aus Taizè ist mir im Moment besonders wichtig, weil auch bei mir etwas Neues ansteht: Nach 20 Jahren wechsle ich die Pfarrstelle und frage mich natürlich, wie sich das entwickeln wird und ob ich den Erwartungen der neuen Gemeinden entsprechen kann. Für die Schülerinnen und Schüler hat ein Schuljahr begonnen, das nicht nur die gewohnten Herausforderungen mit sich bringt, sondern auch Schutzmaßnahmen und Hygieneregeln der Corona-Zeit. Und natürlich gibt es unzählige andere Dinge und Situationen, die uns fragen lassen: Kriegen wir das geregelt? Sollen wir es überhaupt wagen? Sind wir tatsächlich auf alles vorbereitet?

Wenn mich solche Fragen überfallen (und manchmal sogar nicht schlafen lassen), finde ich es sehr tröstlich und ermutigend, mit einem kleinen Seufzer vor mich hinzumurmeln: „Wäre doch das Vertrauen des Herzens aller Dinge Anfang…“ Dann stimmt nämlich auch der zweite Teil des Satzes: „Wäre doch jeder Tag ein Heute Gottes!“

Jeder Tag ist ein Geschenk. Mit jedem neuen Tag will Gott uns voranbringen. Er will uns weiterführen auf dem Weg, den er uns zugedacht hat und der uns zu ihm führt. Heute will er das tun – und nicht morgen und übermorgen und auch nicht gestern oder vorgestern. Oft sind es gerade die Herausforderungen und das Ungewohnte, die uns das erkennen lassen. Wer dem Neuen ausweicht, weicht vielleicht auch Gott aus. Wer es am liebsten hat, dass die Tage möglichst immer gleich sind und wenig Überraschungen mit sich bringen, möchte sich womöglich auch von Gott nicht mehr überraschen lassen. Aber wer ein offenes Herz hat für die Erfahrungen, Begegnungen und Einladungen des Tages, der so ja nie wieder kommen wird, dem wird er zum „Heute Gottes“, zur Erfahrung seiner heilenden Gegenwart.

Rolf Zerfaß, dem ich das Wort aus Taizè verdanken, sagt: „Gottes Gegenwart ist nicht erzwingbar und nicht reproduzierbar; sie ist nicht im Copy-Shop zu haben. Sie stellt sich immer neu ein – wie das Manna in der Wüste. Das Heute Gottes hängt an unserem Vertrauen, und unser Vertrauen hängt am Heute Gottes. Es ist wie in der Liebe. Jeder, der liebt, weiß: Es kann gar nicht anders sein.“

Dieses Wort möchte ich Ihnen darum ans Herz legen: „Wäre doch das Vertrauen des Herzens aller Dinge Anfang und jeder Tag ein Heute Gottes!“ Vielleicht mögen Sie es auch auswendig – und damit „inwendig“ – lernen und in den „eisernen Vorrat“ Ihres geistlichen Lebens aufnehmen; es hat dort, glaube ich, einen guten Platz. Ich wünsche Ihnen jedenfalls, dass dieser Satz bei allem, was im Moment bei Ihnen ansteht und vielleicht große Bedenken oder gar Angst auslöst, Mut macht und Gottvertrauen schenkt!

Pfarrer Thomas Stummer aus Neustadt/Donau

Sommer

 

Sommer

Komm, leg die Sorgen beiseite und lass die Sonne scheinen – in Deinem Gesicht!

Denk nicht: Ein schöner Urlaub heißt weit verreisen und viel Geld ausgeben. Es gibt genug Leute, die nach dem Urlaub enttäuscht, ausgenommen und übermüdet wieder in ihren Alltag zurückkehren. Sie haben sich die ganze Zeit abgehetzt...Sie sind ganz weit weg gewesen, und sie haben viel zu viel und nichts wirklich gesehen, und nirgends sind sie zur Ruhe gekommen. Ein guter Urlaub heißt: frei von der Uhr, frei von allem Druck und jeder Hetze, ohne Chef (ausgenommen den himmlischen), unbeschwert schöne Dinge des Lebens genießen. Ein guter Urlaub heißt: heiter und zufrieden sein und auch die Menschen nicht vergessen, die niemals Urlaub haben. Vielleicht liegt Dein schönster Urlaub ganz dicht an deiner Tür, wo jemand auf ein bisschen Freude wartet und auf eine Hand voll Glück.

Phil Bosmans

Glaube im Alltag von Sr. Britta Müller-Schauenburg CJ

„Kannst du die Welt gerade nicht entdecken, dann entdeck‘ einfach dich!“ Mit diesem Slogan warb eine bekannte Warenmarke kürzlich für ihre Freizeitprodukte. Das ist wirklich eine gute Idee, nicht nur in Zeiten von Corona.

Und was entdecke ich, wenn ich mich entdecke? Ich entdecke dich. Nicht etwas, sondern jemanden. Solange meine Selbsterkenntnis reift, lässt sie dich, einen anderen Menschen, und so das Geheimnis der menschlichen Person, leise ins Blickfeld treten. Ich bin, wer ich bin, unverwechselbar und einmalig, aber nicht alleine. Ich entdecke in mir deine Spuren, deine Gene, deine Gedanken, deinen Widerstand.

Die Mitte des Sommers ist erreicht. Johannes der Täufer hat eben vor uns gestanden. Immer, wenn ich an ihn denke, sehe ich vor allem seinen langen Zeigefinger, den der Maler des Isenheimer Altars ihm gegeben hat: Unter dem Kreuz, zur Linken des leblos hängenden Herrn, weist der Täufer hin auf das Lamm Gottes, wie er es nach dem Zeugnis der Bibel am Jordan bei der Taufe Jesu getan hatte.

Die Zeiten sind im Bild ineinandergeschoben, „unhistorisch“, wenn man so will, aber eigentlich mehr wie eine Verdichtung auf eine einzige Szene. „Er muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ klingt uns noch im Ohr. Und: „Mitten zwischen euch steht der, den ihr nicht kennt“. Vor allem dieser letzte Hinweis hat es mit angetan. Johannes zeigt auf Jesus und sagt diesen Satz. Mitten unter euch steht der, den ihr nicht kennt.

Ich schaue mich auf der Straße um, im Speisesaal bei den Mitschwestern, sehe die anderen, und denke: stimmt. Da sind lauter Geheimnisse Gottes. Jeder und jede, die da steht, ist viel größer als das, was ich sehen und kennen darf – indem er oder sie ein Kind Gottes ist und Christus in sich trägt, der mir aus deinen Augen entgegenschauen mag. Jeder Mensch ist „der, den ich nicht kenne“. Und insbesondere ist der Gekreuzigte der, den ich nicht kenne: Es ist der, den ich verurteilt habe, falsch verstanden habe. Den ich nicht gesehen habe.

Die Anregung der Warenmarke hätte den Prospekt fast jedes Besinnungshauses geschmückt. So gut wird es selten formuliert: Was in der Seele zutage kommt, ist tausendmal aufregender, als ein Badestrand oder eine Metropole für sich genommen sein können – auch wenn beides aufregend sein kann. Richtig gut wird diese Anregung aber, wenn Johannes der Täufer die Entdeckungsreise anleitet: mit seinem langen Zeigefinger, der auf den Erlöser verweist und uns auf die Suche schickt – nach Jesus, dem, den ich nicht kenne.

Er ist für mich ein Geheimnis. Er ist im anderen Menschen für mich ein Geheimnis. An diesem Geheimnis ist das besondere, dass es zunimmt, je besser ich ihn kennenlerne und je mehr ich ihn entdecken darf.

Pfingstgeist von Christian Hartl, Renovabis 2020

Geheimnisvoller Gott,

dein schöpferischer Geist schafft Vielfalt und Lebendigkeit,

er inspiriert und erfreut.

Guter Gott,

dein Geist ist ein Geist des Friedens.

Wir bitten dich:

Stärke die Zufriedenheit in unseren Herzen und die Friedfertigkeit in unserem Handeln.

Und lass uns staunend wahrnehmen, was dein Geist in dieser Welt bewirkt

und wie sehr wir ihn brauchen,

damit wir deiner wunderbaren Schöpfung und einander gerecht werden.

Zweiter Sonntag der Osterzeit

Aus der Regensburger Sonntagsbibel:

 

Zweiter Sonntag der Osterzeit

Weißer Sonntag

Sonntag der göttlichen Barmherzigkeit

Tagesgebet:

Barmherziger Gott,

durch die jährliche Osterfeier

erneuerst du den Glauben deines Volkes.

Lass uns immer tiefer erkennen,

wie heilig das Bad der Taufe ist,

das uns gereinigt hat,

wie mächtig dein Geist,

aus dem wir wieder geboren sind,

und wie kostbar das Blut, durch das wir erkauft sind.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Evangelium Joh 20,19-31

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

Am Abend dieses ersten Tages der Woche,

als die Jünger aus Furcht vor den Juden

bei verschlossenen Türen beisammen waren,

kam Jesus,

trat in ihre Mitte

und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch!

Nach diesen Worten

zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite.

Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.

Jesus sagte noch einmal zu ihnen: Friede sei mit euch!

Wie mich der Vater gesandt hat,

so sende ich euch.

Nachdem er das gesagt hatte,

hauchte er sie an

und sagte zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist!

Denen ihr die Sünden erlasst,

denen sind sie erlassen;

denen ihr sie behaltet,

sind sie behalten.

Thomas, der Didymus genannt wurde, einer der Zwölf,

war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

Die anderen Jünger sagten zu ihm:

Wir haben den Herrn gesehen.

Er entgegnete ihnen:

Wenn ich nicht das Mal der Nägel an seinen Händen sehe

und meine Hand nicht in seine Seite lege,

glaube ich nicht.

Acht Tage darauf waren seine Jünger wieder drinnen versammelt

und Thomas war dabei.

Da kam Jesus bei verschlossenen Türen,

trat in ihre Mitte

und sagte:

Friede sei mit euch!

Dann sagte er zu Thomas:

Streck deinen Finger hierher aus

und sieh meine Hände!

Streck deine Hand aus und leg sie in meine Seite

und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

Thomas antwortete und sagte zu ihm:

Mein Herr und mein Gott!

Jesus sagte zu ihm:

Weil du mich gesehen hast, glaubst du.

Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.

Noch viele andere Zeichen

hat Jesus vor den Augen seiner Jünger getan,

die in diesem Buch nicht aufgeschrieben sind.

Diese aber sind aufgeschrieben,

damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist,

der Sohn Gottes,

und damit ihr durch den Glauben

Leben habt in seinem Namen.

Aus der Predigt am 15.04.2007:

Im heutigen Evangelium erfahren wir auch von der Begegnung des Apostels Thomas mit dem auferstandenen Herrn: Der Apostel darf seine Wundmale berühren, und so erkennt er ihn – erkennt ihn über die menschliche Identität dieses Jesus von Nazareth hinaus in seiner wahren und tiefsten Identität: „Mein Herr und mein Gott“ (Joh 20,28). Der Herr hat seine Wundmale in die Ewigkeit mitgenommen. Er ist ein verwundeter Gott; von der Liebe zu uns hat er sich verwunden lassen. Die Wundmale sind uns Zeichen, dass er uns versteht und dass er sich von der Liebe zu uns verwunden lässt. Diese seine Wundmale – wie können wir sie in der Geschichte unserer Zeit anrühren, da er sich immer wieder für uns verwunden lässt. Wie sind sie uns Gewissheit und Trost seines Erbarmens! Und wie sehr sind sie auch für uns Gewissheit dessen, wer er ist: „Mein Herr und mein Gott“. Und wie sehr sind sie uns Verpflichtung, uns für ihn verwunden zu lassen.

Wer ist eigentlich dieser Ostern?

Ich warte auf den Bus. Gegenüber der Haltestelle blickt mich ein überdimensionaler Osterhase an, der mit bunten Eiern jongliert und zu allem Überfluss auch noch lila ist. Fette Buchstaben, die aus dem Mund des Hasen zu fliegen scheinen, formen das Wort Ostern. „Wer ist eigentlich dieser Ostern?“, fragt plötzlich der kleine Junge neben mir in die andächtige morgendliche Stille. Die etwas verzögerte Antwort seiner Mutter kann ich nicht verstehen, aber sie klingt unglaublich liebevoll und zugewandt. Während sich die übrigen Wartenden ein Lächeln nur schwer verkneifen können, streicht sie ihm etwas unsicher über das dichte schwarze Haar. Eine alte Dame schüttelt fast unmerklich den Kopf.
 
Aber, hättest du die Antwort gewusst? Die wenigsten Menschen feiern an Ostern Jesu Auferstehung. Noch weniger Menschen gedenken am Karfreitag seines unendlich brutalen Todes am Kreuz. Es ist vielmehr ein weltliches Familienfest, bei dem nach Schokoladeneiern gesucht wird. Mal ehrlich, vor dir schwebt in Gedanken doch auch ein buntes Schoko-Ei, wenn du das Wort Ostern hörst. Oder nicht? Oder schwebt dir Jesu Auferstehung vor? Wie sieht sie eigentlich aus, die Auferstehung? Steht Jesus auf? Fährt er gen Himmel? Und wenn ja, womit eigentlich?
 
Wir brauchen überhaupt kein Ostern mehr. Unser Leben ist irgendwie auch so schön. Aber lass uns trotzdem oder gerade deswegen zurückblicken. Aus tiefster Verzweiflung und Todesangst ist das überwältigende Gefühl der Zuversicht gewachsen. Er war tot und dann war er doch wieder lebendig. Aus seiner Verletzlichkeit heraus hat er uns unendliche Stärke gezeigt. Ist Ostern nicht auch heute noch eine Chance? Die Chance, aus einem Gefühl der Trauer Freude werden zu lassen.
 
Aus Ausgrenzung ein Miteinander zu formen. Aus Frust Hoffnung wachsen zu lassen und aus Angst Mut zu machen. Da ist mir doch egal, ob seine Familie Schoko-Eier im Garten versteckt, um sie anschließend wieder zu finden, und mir ist egal, ob er aus Syrien, Eritrea, dem Kongo oder Deutschland kommt. Wenn ich auch nur ein kleines bisschen von Ostern verstanden habe, dann lasse ich Khaled in meine bunte Schokoladen-Eier-Welt und erwidere sein bedingungsloses Lächeln, das er mir an der Bushaltestelle ins Gesicht gezaubert hat.
 
Ostern kann jeden Tag sein.

Antonia Wissing

Gebete in der Coronakrise

 

Gebete in der Coronakrise – Gebetssammlung

Herr, Du Gott des Lebens,

betroffen von der Not der Corona-Krise kommen wir zu Dir.

Wir beten für alle, deren Alltag jetzt massiv belastet ist,

und bitten um Heilung für alle Erkrankten.

Sei den Leidenden nahe, besonders den Sterbenden.

Tröste jene, die jetzt trauern, weil sie Tote zu beklagen haben.

Schenke den Ärzten und Forschern Weisheit und Energie,

und allen Pflegenden Kraft in dieser extremen Belastung.

Gib den politisch Verantwortlichen Klarheit für richtige Entscheidungen.

Wir danken für alle Frauen und Männer, die gewissenhaft

die Versorgung und Infrastruktur unseres Landes aufrechterhalten.

Wir beten für alle, die in Panik sind oder von Angst überwältigt werden.

Wir beten für alle, die großen materiellen Schaden erleiden oder befürchten.

Guter Gott, wir bringen Dir alle, die in Quarantäne sein müssen,

sich einsam fühlen und niemanden an ihrer Seite haben.

Stärke die Herzen der alten und pflegebedürftigen Menschen,

berühre sie mit Deiner Sanftheit und gib ihnen die Gewissheit,

dass wir trotz allem miteinander verbunden sind.

Von ganzem Herzen flehen wir, dass die Epidemie abschwillt

und dass die medizinischen Einrichtungen und Ressourcen

den aktuellen Anforderungen gerecht werden können.

Wir beten, dass die Zahlen der Infizierten und Erkrankten zurückgehen.

Und wir hoffen, dass in allen Bereichen bald wieder Normalität einkehren wird.

Guter Gott, mache uns dankbar für jeden Tag, den wir gesund verbringen.

Lass uns nie vergessen, dass unser Leben ein zerbrechliches Geschenk ist.

Ja, wir sind sterbliche Wesen und können nicht alles kontrollieren.

Du allein bist Ursprung und Ziel von allem, Du allein bist ewig, immer liebend.

Dein Heiliger Geist bewahre unsere Herzen in der Dankbarkeit.

Getragen von einem tiefen Frieden werden wir die Krise bestehen.

Jesus, Du Herr und Bruder aller Menschen,

Deine Gegenwart vertreibt jede Furcht, sie schenkt Zuversicht

und macht unsere Herzen bereit, offen und aufmerksam füreinander.

(Bischof Hermann Glettler, Bischof von Innsbruck)

Glaube im Alltag aus der Sonntagszeitung vom 12.03.2020

von Pastoralreferentin Theresia Reischl

Frühling – die ersten warmen Sonnenstrahlen, und ich habe Lust, (wieder) rauszugehen. Zugegeben: Der Winter war nicht das, was ich mir unter einem Winter vorstelle. Ich war auch in den vergangenen Monaten viel draußen, aber der Frühling mit seinen unterschiedlichen Stimmungen lockt mich besonders. Da ist noch der braune Boden, stellenweise weich und matschig. Das erste zarte Grün an Bäumen und Büschen. Das Wasser der Isar, das wieder blauer erscheint und fröhlicher dahinfließt. Die Straßen, die belebter sind, mit freundlich lächelnden Menschen, die die Sonne im Café genießen.

All das erinnert mich an die Sonntagsevangelien in der Fastenzeit. Jesus lädt uns hier auch zu Spaziergängen ein, in äußere und innere Welten.

Am ersten Fastensonntag war er allein in der Wüste, hat sich zurückgezogen, seinen Weg bedacht, einen Neuanfang gestartet.

Am zweiten Sonntag gönnt er sich und uns eine Auszeit auf dem Berg, die Möglichkeit, Distanz zu manchen Dingen zu bekommen und sich einen Überblick zu verschaffen.

Wir werden am dritten Fastensonntag an einem Brunnen Rast machen und aus der Quelle neue Kraft schöpfen.

Am vierten Fastensonntag machen wir mit Jesus einen Bummel und begegnen einem Blinden, dem die Augen geöffnet werden.

Selbst die Grenzen des Lebens werden nicht ausgelassen: Die Begegnung mit der Vergänglichkeit des Lebens am fünften Fastensonntag gehört zu so einem Spaziergang dazu.

Es sollte uns eigentlich ganz leicht fallen, uns auf den Weg zu machen und neu anzufangen, äußerlich wie innerlich. Vielleicht bei einem Spaziergang, bei dem ich bewusst wahrnehme, wie schön es bei uns sein kann. Vielleicht bei einem Gottesdienst, den ich ganz bewusst mitfeiere und nachvollziehe.

Vielleicht bei einem Gespräch mit meinem Partner oder meiner Partnerin, in dem es um mehr als die Alltagsorganisation geht und bei dem ich sagen kann: „Ich liebe dich“.

Vielleicht bei einem Spieleabend mit den Kindern, zweckfrei und für uns als Familie wichtig. Vielleicht bei einem Gebet, bei dem ich mich ganz Gott zuwende.

Christsein bedeutet Bewegung und Veränderung – hoffentlich auch in der Kirche.

Jesus geht alle diese Wege mit. Probieren Sie es doch kommende Woche aus!

Die Kunst der kleinen Schritte

Ich bitte nicht um Wunder und Visionen, Herr, sondern um Kraft für den Alltag:

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte. Mach mich findig und erfinderisch, um im täglichen Vielerlei meine Erkenntnisse zu notieren, von denen ich betroffen bin.

Mach mich griffsicher in der richtigen Zeiteinteilung. Schenke mir das Fingerspitzengefühl, um herauszufinden, was erstrangig und was zweitrangig ist.

Lass mich erkennen, dass Träume nicht weiterhelfen, weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft. Hilf mir, das nächste so gut wie möglich zu tun und die jetzige Stunde als die wichtigste zu erkennen.

Bewahre mich vor dem Glauben, es müsse im Leben alles glatt gehen. Schenke mir die Erkenntnis, dass Schwierigkeiten, Niederlagen, Misserfolge und Rückschläge eine selbstverständliche Zugabe zum Leben sind, durch die wir wachsen und reifen. Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schick mir im rechten Augenblick einen Menschen, der den Mut hat, mir die Wahrheit zu sagen.

Erinnere mich daran, dass das Herz oft gegen den Verstand streikt. Schick mir im rechten Augenblick jemand, der den Mut hat, mir die Wahrheit zu sagen.

Ich möchte Dich und die anderen immer aussprechen lassen. Die Wahrheit sagt man sich nicht selbst, sie wird einem gesagt. Ich weiß, dass sich viele Probleme dadurch lösen, wenn ich nichts tue. Gib, dass ich warten kann.

Du weißt, wie sehr wir der Freundschaft bedürfen. Gib, dass ich diesem schönsten, schwierigsten, riskantesten und zartesten Geschenkt des Lebens gewachsen bin.

Verleihe mir die nötige Phantasie, im rechten Augenblick ein Päckchen Güte, mit oder ohne Worte, an der richtigen Stelle abzugeben.

Mach aus mir einen Menschen, der einem Schiff mit Tiefgang gleicht, um auch die zu erreichen, die unten sind.

Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nicht, was ich mir wünsche, sondern das, was ich brauche.

Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.

(Antoine de Saint-Exupéry)

Verschenk dein Lächeln

Das Geschenk des Lächelns – es kostet nichts und bewirkt so viel.

Es bereichert den, der es erhält, ohne den arm zu machen, der es gibt.

Es dauert nur einen Augenblick, aber die Erinnerung daran ist manchmal unauslöschbar.

Ein Lächeln bedeutet Ruhe für ein erschöpftes Wesen, Ermutigung für eine niedergeschlagene Seele,

Trost für ein trauerndes Herz.

Und wenn man dir das Lächeln, das du verdienst, verweigert, dann sei großzügig, schenke das deine.

In der Tat hat niemand ein Lächeln so nötig wie der, der selbst keines zu geben vermag.

Je lauter unsere heutige Welt wird, umso tiefer scheint Gott zu schweigen.

Schweigen ist die Sprache der Ewigkeit, Lärm geht vorüber.

(Verfasser unbekannt)

Geistlicher Impuls aus der Sonntagszeitung von Max Kronawitter

„Das Schönste, was ein Mensch hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derer, die an ihn denken.“ Über diesen Spruch in einer Todesanzeige bin ich gestolpert. Möchte ich, dass die Menschen lächeln, wenn sie einmal an mich denken? Diese Frage hat mich beschäftigt. Nein, nicht ein Lächeln soll der Gedanke an mich einmal auslösen. Eher schon Anerkennung, Respekt, Dankbarkeit…

Was bleibt von uns? Diese Frage begleitet unser Leben. Gut, dass ich Kinder habe, ein Haus gebaut und sogar einige Bäume gepflanzt habe. Die wird es hoffentlich noch geben, wenn ich längst „gegangen“ bin. Auch materielle Dinge können offenbar dafür sorgen, dass etwas von einem überdauert. Die großen Baumeister haben sich so durch die Jahrhunderte gerettet: Michelangelo, Bernini, Klenze. Solange Menschen fasziniert auf ihre Bauten blicken, bleiben sie unsterblich.

Andere haben Bücher hinterlassen, die noch heute fesseln und neue Horizonte erschließen. Wer ein solches Buch aufschlägt, erlebt die Gedankenwelt längst Verstorbener. Wieder andere haben große Kompositionen geschaffen, die von Generation zu Generation Menschen verzaubern. In der Begeisterung über ihr Werk leben sie weiter. Bewunderung ja, aber doch kein Lächeln.

Warum eigentlich nicht? Ein Lächeln ist kein Lachen, und schon gar kein Auslachen, kein Sich-Lustig-Machen über jemanden, oder eine abschätzige Beurteilung, wie lächerlich etwas ist. Ein Lächeln ist die Reaktion auf eine positive Erfahrung. Es kommt oft von selbst. Es ist die Antwort auf ein angenehmes Erleben. Wer einem Menschen begegnet und dabei zu lächeln beginnt, der fühlt sich wohl.

Mir kommt ein Lied in den Sinn, das ich bei so manchem Jugendgottesdienst gesungen habe: „Eines Tages kam einer, der hatte einen Zauber in der Stimme, eine Wärme in seinen Worten, einen Charme in seiner Botschaft. Eines Tages kam einer, der hatte eine Freude in seinen Augen, eine Freiheit in seinem Handeln, eine Zukunft in seinen Zeichen.“ Wer diesem Jesus begegnet ist, der hat ihm wohl auch mit einem Lächeln gesagt: Wie schön, dass du da bist!

Ja, wahrscheinlich ist es gar nicht schlecht, wenn die Nachwelt einmal mit einem Lächeln an einen denkt. Dann nämlich ist es einem gelungen, dass man das Leben der Hinterbliebenen angenehm bereichert, mit Freude erfüllt hat. Um „Wärme in meinen Worte“ und „Charme in meiner Botschaft“ will ich mich künftig noch mehr bemühen.

Glaube im Alltag aus der Sonntagszeitung von Max Kronawitter

„Max, meine Seele hat Muskelkater!“ Mit dieser Antwort überraschte mich eine Bekannte auf meine Frage, wie es ihr geht. „Seelenmuskelkater“. Diese Wortkombination hatte ich noch nie gehört. Wie kann eine Seele Muskelkater bekommen? Vielleicht kam mir die Bemerkung deshalb so fremdartig vor, weil ich zu gut weiß, was einen Muskelkater ausmacht. Erst kürzlich war mir nach einer anstrengenden Bergtour jeder Schritt verleidet. Ich bin kaum die Treppe hochgekommen. So geht es eben, wenn man sich ohne Training völlig verausgabt. Der Körper schreit dann auf, erinnert einen daran, dass man es nicht übertreiben soll.

Aber die Seele? Je mehr ich darüber nachgedacht und mir vor Augen geführt habe, was denn einen Muskelkater kennzeichnet, desto mehr fand ich, dass dieses Bild gar nicht so schlecht ist. Ist nicht auch die Seele ähnlich wie ein Muskel ein Organ, das still und unaufdringlich seinen Dienst verrichtet und oft erst dann bemerkt wird, wenn es Probleme macht? Mir fielen plötzlich eine Reihe von Begriffen ein, die diesen Umstand zum Ausdruck bringen: Seelenschmerz, Seelennot, Seelenleid, Seelengift, Seelenpein, Seelenbrand, Seelendurst, Seelenqualen.

Offenbar hat unsere Seele recht viele Gemeinsamkeiten mit den übrigen lebenswichtigen Organen. Bei Problemen suchen wir Abhilfe beim Spezialisten. Ersetzen lässt sich die Seele jedoch nicht. Ein Austausch, wie etwa bei einem Spenderherz oder einer Spenderniere, ist nicht möglich. So wird freilich auch deutlich, dass die Seele nicht ein Teil von uns ist, sondern irgendwie mit unserer Ganzheit verwoben ist. „Anima forma corporis – die Seele formt unseren Körper“, hat der Kirchenlehrer Thomas von Aquin einmal formuliert.

Wenn es der Seele gutgeht, geht es auch uns gut. Wo sie krankt, sind wir in höchster Gefahr. Ihre Signale wahrzunehmen ist deshalb überlebensnotwendig. Glücklich, wer einen Seelenmuskelkater spürt!

Für kirchliche Mitarbeiter gibt es ein wunderbares Wort: Als Seelsorger werden sie bezeichnet. Ihre wichtigste Aufgabe ist es – das suggeriert wenigstens der Begriff – dafür zu sorgen, dass es den Seelen der Menschen gutgeht, dass sie heil bleiben und das Ziel „Seelenheil“ nicht verfehlen. Ihr Behandlungsinstrumentarium ist recht einfach und doch unheimlich wirksam. Es ist eine Verheißung: Du bist nicht allein, du bist geliebt, und was auch passiert: Gott lässt dich nicht fallen.

Wer diesen Zuspruch für sich fruchtbar machen kann, wer ihm so glaubhaft begegnet, dass er sich in ihn fallen lassen kann, der hat jenen Balsam für die Seele gefunden, mit dem sogar Verletzungen heilen. Wer sich von diesem „Ja“ getragen weiß, der kann es auch anderen zusagen. Je mehr wir alle zu kleinen und großen Seelsorgern werden, desto gesünder wird diese Welt.

Glaube im Alltag aus der Sonntagszeitung von Pater Cornelius Bohl OFM

„Wissen Sie, ich habe so viel bekommen, da will ich wenigstens etwas zurückgeben!“ Ein toller Satz! Er fiel kürzlich eher nebenbei in einem Gespräch mit einem Mann, der mir von einem ehrenamtlichen Engagement in einer Initiative für Geflüchtete erzählte.
Dieser Satz klingt so ganz anders als die moralischen Imperative, die gerade wir Christen oft im Hinterkopf haben: Man müsste und sollte… Ich sollte mehr Zeit haben für meine Familie, mich aktiver einbringen in einem Projekt unseres Viertels, mich stärker in der Gemeinde engagieren. Aber was soll ich denn sonst noch alles machen? Es wird mir doch jetzt schon vieles zu viel. Am Ende bleibt dann oft eine ungute Mischung aus dem Gefühl der Überforderung und einem schlechten Gewissen.
Das Gute, das Gott mir geschenkt hat, zurückerstatten – für Franz von Assisi ist das ein ganz wichtiger Gedanke. Er findet sich oft in seinen Schriften. „Selig der Mensch, der alles Gute Gott, dem Herrn, zurückerstattet“, schreibt er einmal.
Ich mache mir etwas vor, heißt es sinngemäß an anderer Stelle, wenn es mir nur darum geht, „den Buchstaben zu wissen“ und ihn anderen zu erklären und mir dann auf diese geistliche Erkenntnis auch noch etwas einzubilden, so, als wäre das meine Leistung.
Ein Leben im Geist zeigt sich vielmehr darin, dass ich versuche, Gott durch mein Leben das zurückzuerstatten, was er mir durch die Begegnung mit seinem Wort schenkt. „Alles Gute wollen wir dem Herrn zurückerstatten und ihm danken, von dem alles Gute kommt“, schreibt Franziskus in der ersten Regel.
Das gefällt mir: Die entscheidende Motivation, mich nicht nur um mich selbst zu drehen, ist weder Pflichterfüllung noch moralischer Druck oder gar die Sorge, wie ich vor anderen dastehe. Die entscheidende Motivation ist Dankbarkeit.
Pflichten können schwer belasten. Druck beugt nieder. Angestrengte Imagepflege macht oft hart und eng. Dankbarkeit dagegen weitet und lockert das Herz und macht frei.
Locker zu sein, gilt nicht gerade als klassische christliche Tugend. Eine verkrampfte Frömmigkeit aber entspricht ganz sicher nicht dem Geist des Evangeliums. „Ich bin nicht dankbar, weil ich glücklich bin“, formuliert es der Benediktiner David Steindl-Rast, „sondern ich bin glücklich, weil ich dankbar bin.“ Gerade der Urlaub kann eine Zeit sein, sich wieder einmal bewusst beschenken zu lassen. Großzügig sein aus Dankbarkeit – so etwas kann man einüben. Zu den guten alten Formen von Glauben im Alltag gehört ein Augenblick der Stille am Ende des Tages. Dabei muss die erste Frage nicht lauten: Was ist heute schiefgelaufen? Was habe ich falsch gemacht?
Wie wäre es stattdessen mit diesem Rückblick: Was habe ich heute Gutes erlebt? Womit wurde ich heute beschenkt? „Ich habe so viel bekommen, da will ich wenigstens etwas zurückgeben.“

Geistlicher Impuls aus der Sonntagszeitung von Pfarrer Stephan Fischbacher

Seitdem ich im Frühjahr das Joggen angefangen habe, gehe ich fast täglich nach draußen, um mindestens eine halbe Stunde zu laufen. Häufig habe ich die Abendsonne im Rücken und kann den Schatten meines Körpers vor mir sehen. Hingestreckt am Boden liegt er und weicht mir nicht von der Seite. Ich kann ihn nicht abschütteln, ich kann nicht einmal über meinen Schatten springen.

Da denke ich an meine Zeit auf dem Jakobsweg in Spanien. Da man ja nach Westen geht und vor allem am Vormittag, wurde der Schatten zum engsten Begleiter meines Pilgerdaseins. Im biblischen Buch der Psalmen wird der Schatten als Symbol vor allem für zweierlei verwendet.

Zum einen für die kümmerliche Existenz des Menschen: „Meine Tage schwinden dahin wie Schatten, ich verdorre wie Gras“ (Ps 102,12). Schatten sind vergänglich, abhängig vom Lauf der Sonne. Ein scheinbar unaufhörliches Kommen und Gehen von Tag und Nacht, Werden und Vergehen.

Der Blick auf unseren Schatten relativiert manches. Wir sollten es mit dem heiligen Papst Johannes XXIII. halten, der sich selbst sagte: „Giovanni, nimm dich nicht so wichtig“. Wer meint, er müsse alles selber regeln, seinen Willen komplett durchsetzen und immer alles in der Hand halten, der setzt sich mit Leib und Seele einer Belastung aus, die ihn wegführt von Gott.

Bei allem, was wir tun: Wir strengen uns an, wissen uns aber in etwas Größerem geborgen und aufgehoben: Gottes unendlicher Liebe und Barmherzigkeit. Auch diese wird im Buch der Psalmen mit dem Symbol eines Schattens wiedergegeben: „Wie köstlich ist deine Liebe, Gott! Menschen bergen sich im Schatten deiner Flügel“ (Ps 36,8).

Man muss dabei berücksichtigen, dass die Schriften der Bibel hauptsächlich in sehr heißen Gegenden entstanden sind. Die Menschen wussten, wie heiß und erbarmungslos die Sonne brennen kann. Bäume waren rar. Wie wohltuend ist auch für uns die Erfahrung, sich an einem heißen Sommertag unter eine Kastanie zu setzen und auszuruhen. Im Schatten eines Baumes, aber auch eines Sonnenschirmes lässt es sich leichter aushalten und wir kommen aus der Überhitzung in die innere Ruhe und Ausgeglichenheit.

Gottes Schatten ist ein Angebot für uns Menschen: Im Schatten Gottes kommen wir vom äußeren Stress zur inneren Ruhe, aus der Überhitzung in die Erfrischung und aus der Selbstüberschätzung in die Ausgeglichenheit. Dann können wir gemeinsam mit den Psalmisten beten: „Ja, du wurdest meine Hilfe, ich juble im Schatten deiner Flügel“ (Ps 63,8).

Geistlicher Impuls von Pater Cornelius Bohl OFM aus der Sonntagszeitung

Zum Glück passiert es mir nicht allzu oft, dass ich mitten im Reden den roten Faden verliere. Schwieriger ist es, wenn das im Leben geschieht. Da wird jemand vom Schicksal so gebeutelt, dass er nicht mehr weiß, wo oben und unten ist. Das Ausprobieren verschiedenster Möglichkeiten mag reizvoll sein, aber es kann sein, dass ich dann auf einmal gar nicht mehr weiß, wo es überhaupt langgeht. Wenn ich allen gefallen will, verliere ich mich leicht selbst.

Habe ich überhaupt einen roten Faden in meinem Leben? Ich meine damit: Gibt es bei mir eine große Richtung, die sich durch alle Höhen und Tiefen und trotz mancher Um- und Irrwege durchträgt? Ein Lebensthema, bei dem ich spüre: Ja, genau das bin ich! Habe ich Werte und Ziele, die sich zwar je nach Lebensalter und Lebensumständen weiterentwickeln, aber doch eine verlässliche Orientierung geben?

Ich bin davon überzeugt, dass es einen solchen roten Faden gibt. Wahrscheinlich kann man ihn schlecht in Worte fassen. Aber ich merke im Alltag, ob ich trotz aller Probleme bei mir und mit mir selbst im Frieden bin. Dann kann ich vielleicht sagen: Leicht ist es nicht, aber irgendwie passt es doch. Denn gibt es auch das Gegenteil: Äußerlich scheint alles gut zu laufen, aber innerlich habe ich das Gefühl, eine fremde Rolle zu spielen. Ich spüre: Wenn ich so weitermache, dann tut mir das nicht gut.

Als Christ bin ich davon überzeugt: Dieser rote Faden ist meine ganz persönliche Berufung. Natürlich verbindet mich ein und derselbe Glaube mit allen Getauften. Und doch glaubt kein zweiter Mensch genauso wie ich. Gott meint ja mich ganz persönlich. Er spricht mich persönlich an, hat eine ganz persönliche Zusage, eine persönliche Sendung genau für mich! Und darauf kann auch nur ich antworten, keiner sonst!

Und ich darf es tun als der, der ich eben bin, mit genau meiner Geschichte, meinen Fähigkeiten und meinen Grenzen. Darum habe ich mein persönliches Bild von Gott, meinen individuellen Zugang zu ihm, meinen ganz eigenen Weg – auch wenn ich in der Kirche mit vielen anderen gemeinsam unterwegs bin. Ich muss nicht so sein und nicht so glauben wie die anderen – Gott sei Dank!

Die Achtsamkeit für den roten Faden in meinem Leben ist nicht nur ein Warnsignal gegen alle Formen von spirituellem Missbrauch. Das Dranbleiben an diesem roten Faden hilft auch mir selbst, geistlich lebendig und gesund zu bleiben. Zum Glauben im Alltag gehört darum ab und zu das Nachspüren, ob ich noch authentisch bin oder gegen meine eigene Wahrheit lebe. Der rote Faden ermöglicht Wachstum. Und er ermöglicht Umkehr. Schon Theseus hat anhand des roten Fadens von Ariadne aus dem Todeslabyrinth wieder nach oben ans Licht und nach Hause zu seiner Geliebten gefunden.

Auf dem Weg in die Nachfolge Christi

Auf dem Weg in die Nachfolge Christi

  • Wer mir nachfolgt, wird nicht in der Finsternis umhergehen (Johannes 8,12). Christus spricht diese Worte, damit jeder, der sie hört, ermutigt wird, seine Lehre zu beherzigen. Hegt nicht jeder Mensch den Wunsch, von Schatten seines Lebens befreit zu werden, um seinen Weg unbeschwerter, freudiger und lichtvoller zu gehen? Der erste Schritt besteht darin, zu erspüren, wer Jesus war, was er wollte und was er mir in meiner augenblicklichen Lebenssituation sagt.
  • Die Lehre Jesu Christi übertrifft alles an Weisheit und Liebe. Diejenigen, die ihm folgen, werden erfüllt von seinem Geist und fähig, in noch verborgene Geheimnisse des Lebens und des Todes Einsicht zu nehmen. Wie ist es zu erklären, dass viele Menschen die Sehnsucht nach geistlicher Erfüllung nicht besitzen? Wie ist es zu erklären, dass viele Menschen in Eigenentwürfen ihres Lebens verhaftet sind, ohne dem Göttlichen in sich Raum zu gewähren? Und wie ist es möglich, dass auf der anderen Seite viele Menschen, die Jesu Wort verstehen und ihr Leben danach ausrichten, in allen Situationen von seinem Geist und von seiner Liebe getragen werden?
  • Dich intellektuell und theologisch auszurichten hat nur dann einen tieferen Sinn, wenn du gleichzeitig auch Demut übst. Worte allein sind unwesentlich. Werden sie aber von einem entsprechenden gottgefälligen Tun begleitet, wirst du wesentlich. Es ist weitaus wertvoller, Verständnis für einen Menschen zu haben und ihm Liebe zu schenken, als mit ihm einzig und allein über zwischenmenschliche Beziehungen zu debattieren. Was nutzt dir alles philosophische und theologische Wissen ohne das tragende Fundament der Liebe? Denke kurz darüber nach, was du in deinem Leben einst für wichtig hieltest, was du aber inzwischen vergessen hast, weil es vergänglich war. Bleibendes und tiefe Weisheit wirst du erlangen, wenn es dir gelingt, inmitten allem Vergänglichen das Unvergängliche wahrzunehmen.
  • Schätze dich und dein Tun richtig ein. Grenze dich beizeiten ab und hänge dein Herz nicht an das, was dich auf Dauer nicht trägt:
    - übertriebener Arbeitseifer, um sich mehr leisten zu können als andere;
    - Anerkennung suchen und in allem der Erste sein wollen;
    - sich von falsch gesteuerten sexuellen Begierden bestimmen lassen;
    - der Sexualität eine zu große Bedeutung einräumen und dem Körper ständig nachgeben;
    - ausschließlich an das eigene Leben denken und sich so einrichten, als ob es niemals enden würde;
    - im Jetzt verhaftet sein, ohne eine Hoffnung über den Tod hinaus einzubeziehen;
    - Vergängliches an die erste Stelle setzen – ohne Ausschau nach bleibenden Werten zu halten.
  • Alle Dinge sind rastlos tätig, kein Mensch kann alles ausdrücken, nie wird ein Auge satt, wenn es beobachtet, nie wird ein Ohr vom Hören voll (Kohelet 1,8). Es muss daher für dich Zeiten geben, in denen du dich, besonders dein Herz, von allem Sichtbaren löst und dich dem „Unsichtbaren“ zuwendest. Wenn du dein Leben entsprechend einrichtest, wirst du von Dunkelheit befreit, sodass das Licht, Christus, in dir aufgehen kann.

aus „Auf dem Weg in die Nachfolge Christi“ – Geistlich leben nach Thomas von Kempen von Peter Dyckhoff, Verlag Herder

10 Gebote der Gelassenheit

von Papst Johannes XXIII. dem Vater des 2. Vatikanischen Konzils

"Nimm dir nicht zu viel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten:
an jedem Tag, zu jeder Stunde, ohne Übertreibung, mit Geduld."


  1. Leben
    "Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben, ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen."
  2. Sorgfalt
    "Nur für heute werde ich mit größter Sorgfalt auf mein Auftreten achten. Ich werde niemanden kritisieren, ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern. Nur mich selbst"
  3. Glück
    "Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich geschaffen bin, glücklich zu sein, nicht nur für die andere, sondern auch schon für diese Welt."
  4. Realismus
    "Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass sich die Umstände an meine Wünsche anpassen."
  5. Lesen
    "Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele."
  6. Stille
    "Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit der Stille widmen und Gott zuhören. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, so ist das Horchen auf Gott in der Stille notwendig für das Leben der Seele."
  7. Handeln
    "Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen – und ich werde es niemandem erzählen."
  8. Überwinden
    "Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt."
  9. Planen
    "Nur für heute werde ich mir ein genaues Programm vornehmen. Auch wenn ich mich nicht genau daran halten werde – ich werde den Tag planen. Ich werde mich besonders vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit."
  10. Vertrauen
    "Nur für heute werde ich fest daran glauben, – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten – dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt."
(In meditativer und schön gestalteter Form finden Sie diese „10 Gebote“ auf http://www.abtei-st-hildegard.de/?p=5125)

Kontakt

Bahnhofstr. 2
93342 Saal a.d. Donau

telefon0109441-8220

E-Mail:
saal.donau@bistum-regensburg.de

 

Pfarrsekretärinnen:
Roswitha Heller und Carola Regnet

Bürozeiten:

Dienstag 10:00 - 11.30 Uhr
Mittwoch  8:30 - 11.00 Uhr und
Mittwoch 16:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag  8:30 - 11.00 Uhr

linkzeichenBankverbindungen

 

Nächste Veranstaltungen

Keine Termine